Der Cannabissektor begann das Jahr 2026 mit einer außerordentlichen Dynamik, die durch die Entwicklungen im Zusammenhang mit der bundesstaatlichen Neuregelung in den USA ausgelöst wurde. Die Aktienmärkte reagierten aggressiv, wobei Betreiber wie Tilray Brands und Curaleaf Holdings nach der Ankündigung dreistellige Kursgewinne verzeichneten.
Neben den Betreibern, die mit Pflanzen arbeiten, erlangten auch auf Cannabis spezialisierte Immobilienfonds wieder die Aufmerksamkeit der Anleger. Analysten hoben Innovative Industrial Properties hervor, die zu relativ niedrigen FFO-Multiplikatoren gehandelt werden und gleichzeitig eine zweistellige Dividendenrendite aufweisen. NewLake Capital Partners wurde ebenfalls als potenzieller Nutznießer hervorgehoben, sollte die US-Bankenreform voranschreiten, insbesondere wenn sich die Wege für ein Uplisting wieder öffnen.
Zusammengenommen unterstreichen diese Bewegungen den erneuten Appetit auf ein Cannabis-Engagement sowohl in den Betriebs- als auch in den Nebensegmenten, da die Anleger die langfristigen Risiken vor dem Hintergrund der sich verändernden regulatorischen Rahmenbedingungen neu bewerten.
Deutschland wird zu einem rechtlichen und strategischen Schlachtfeld
Dieses wiedergewonnene Vertrauen hat sich direkt in Unternehmensmanövern niedergeschlagen, insbesondere in Europa. Auf dem schnell expandierenden deutschen Markt für medizinisches Cannabis ist die deutsche Tochtergesellschaft von High Tide, Remexian Pharma, in den Mittelpunkt einer genau beobachteten rechtlichen Auseinandersetzung geraten.
Kurz nachdem High Tide die Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung an Remexian im Wert von 26,4 Millionen Euro abgeschlossen hatte, focht der Konkurrent Vayamed die regulatorischen Praktiken von Remexian an und behauptete Verstöße gegen das deutsche Arzneimittelgesetz in Bezug auf Produktzulassungen. Der Streit eskalierte vor den Gerichten und erregte die Aufmerksamkeit der Branche aufgrund seiner potenziellen Auswirkungen auf die Art und Weise, wie Cannabiszulassungen in ganz Europa interpretiert werden.
Im Januar 2026 erließ das Kammergericht Berlin eine teilweise einstweilige Verfügung, die es Vayamed untersagte, bestimmte Behauptungen an Dritte weiterzugeben. Entscheidend ist, dass das Gericht die strittigen Behauptungen als Meinungen und nicht als beweisbare Tatsachen einstufte, aber dennoch entschied, dass die Verbreitung dieser Behauptungen nach außen, bevor Remexian formell benachrichtigt wurde, eine unzulässige Verunglimpfung nach deutschem Wettbewerbsrecht darstellt. Das Gericht vermied es bewusst, darüber zu entscheiden, ob die zugrunde liegenden Praktiken von Remexian gesetzeskonform waren, und ließ die Frage der Regulierung ungelöst.
Remexian hat gleichzeitig rechtliche Schritte gegen Telemedizin-Plattformen eingeleitet, die seiner Ansicht nach gegen die deutschen Werbe- und Verschreibungsvorschriften verstoßen. Eine vom Landgericht Hamburg erlassene einstweilige Verfügung gegen Dr. Ansay Ltd. zeigt, dass die Online-Vertriebsmodelle für Cannabis zunehmend unter die Lupe genommen werden, auch wenn die Durchsetzung aufgrund grenzüberschreitender Zuständigkeitsfragen weiterhin schwierig ist.
Nordamerikanische Expansion und Kapitaleinsatz gehen weiter
Während Europa mit der Auslegung von Gesetzen zu kämpfen hat, kam es in Nordamerika zu einer stetigen Konsolidierung und zum Einsatz von Kapital. In Kanada hat Sensi Brands seine Präsenz durch den Erwerb einer großen Anbaufläche in Norfolk County, Ontario, erweitert. Die Anlage, die zu den größten des Landes gehört und über eine EU-GMP-Zertifizierung verfügt, versetzt das Unternehmen in die Lage, die inländische Produktion zu steigern und internationale Exporte zu tätigen, insbesondere in die europäischen medizinischen Märkte, die nach wie vor von Importen abhängig sind.
Die Kapitalmärkte haben auch biotechnologisch ausgerichtete Cannabisunternehmen belohnt. Der Aktienkurs von Zelira Therapeutics hat sich nach einer Investition von 32,98 Millionen US-Dollar in die Zweckgesellschaft HOPE 1 mehr als verdoppelt. Die Finanzierung sichert die nächste Phase der FDA-Entwicklung für eine auf Cannabinoiden basierende Behandlung des Phelan-McDermid-Syndroms und stärkt das Interesse der Investoren an pharmazeutischen Cannabispfaden, die sich von der Flüchtigkeit des Freizeitkonsums unterscheiden.
Australien signalisiert Beschleunigung der globalen Konsolidierung
Konsolidierungstendenzen sind auch in Australien zu beobachten. Little Green Pharma hat der Übernahme von Cannatrek zugestimmt, wodurch ein vertikal integrierter medizinischer Cannabis-Konzern mit Aktivitäten in Australien und Europa entsteht. Mit überschüssigen Produktionskapazitäten in Dänemark und einer etablierten GMP-Infrastruktur positioniert sich das kombinierte Unternehmen als Plattform für weitere globale Übernahmen.
Die Transaktion spiegelt eine breitere Verlagerung hin zu Größe, Bilanzstärke und internationaler Reichweite wider, alles Eigenschaften, die von institutionellen Anlegern zunehmend bevorzugt werden, da sich der Cannabissektor von der Spekulation in der Frühphase wegbewegt.
Ausblick: Ein disziplinierterer Cannabis-Investment-Zyklus
Alles in allem deuten die ersten Wochen des Jahres 2026 darauf hin, dass die Cannabisbranche in eine diszipliniertere Phase eintritt. Die regulatorische Klarheit ist nach wie vor uneinheitlich, die rechtlichen Risiken bestehen fort und der Wettbewerb verschärft sich. Dennoch fließt das Kapital in Unternehmen mit vertretbaren Vermögenswerten, umfassender Compliance und internationaler Handlungsfähigkeit.
Für die Anleger zeigt sich im aktuellen Umfeld eine klare Kluft: Ausgereifte Betreiber und infrastrukturgestützte Unternehmen gewinnen an Zugkraft, während schwächere Modelle einer verstärkten Prüfung unterzogen werden. Da sich die Konsolidierung beschleunigt und sich die rechtlichen Rahmenbedingungen weiterentwickeln, dürfte Selektivität (und nicht ein pauschales Engagement) die Cannabis-Investitionsstrategien im kommenden Jahr bestimmen.

